Die Haltung

Die Nymphensittiche, Agaporniden, Wellensittiche sind sehr anpassungs- und widerstandsfähig. Sie brüten deshalb in Gefangenschaft auch unter nicht-optimalen Lebensbedingungen. Daher wurden sie schon früh als Haustiere geschätzt.

 

Die Vögel sind auch bei Heimtierhaltung ausgeprägte Schwarmtiere. Daher ist die gegengeschlechtliche paarweise Haltung ideal. Einzelhaltung kann zu Verhaltensstörungen und Fehlprägungen auf den Menschen führen. Aus ruhigen, ausgeglichenen Vögeln können Schreier, schlimmstenfalls sogar Rupfer werden. Das heißt, sie verstümmeln sich selber, indem sie sich ihr eigenes Gefieder ausreißen. Nackte Körperpartien, Narbenbildung und langjährige Schwierigkeiten bei der Resozialisierung sind keine Seltenheit.

 

Nymphensittiche, Agaporniden, Wellensittche benötigen viel Platz. Im Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Papageien vom 10. Januar 1995 (herausgegeben von der „Sachverständigengruppe Gutachten über die tierschutzgerechte Haltung von Vögeln“) wurde der Nymphensittich zwar nicht mit berücksichtigt, jedoch kann von der für vergleichbar große Vögel empfohlenen Mindestgröße für ein Paar in reiner Käfig- oder Volierenhaltung ausgegangen werden: sie beträgt zwei Meter Breite, einen Meter Tiefe und einen Meter Höhe. Die Größe der Grundfläche ist entscheidend, nicht die Höhe. Der höchste Punkt der Voliere muss mindestens auf Augenhöhe der Menschen sein, da die Vögel sich sonst unwohl fühlen. Zur Einrichtung eignen sich ungiftige Naturäste in verschiedenen Dicken, Sisalseile, Schaukel und kleine Sitzbretter. Naturhölzer sind für die Abnutzung der Krallen von Vorteil, so dass ein Kürzen durch den Menschen nur äußerst selten nötig wird.

 

Jegliche Plastikeinrichtung dagegen birgt hohe Gesundheitsrisiken. So können geriffelte Kunststoffstangen und mit Sandpapier umwickelte Sitzstangen zu Ballengeschwüren führen. Darüber hinaus kann es zu inneren Verletzungen aufgrund aufgenommener Plastikteile kommen.


Die Ernährung

Zur Fütterung eignen sich Edelstahl- oder Keramiknäpfe. Bei großem Platzangebot kann man auch in Tonschalen auf dem Boden füttern. Diese Arten entspelzen die Körner, daher sind Futterspender ungeeignet. In großen Wasserschalen wird gern gebadet.

 

Eine vielseitige Saatenmischung bildet das Grundfutter. Die im Handel erhältlichen Großsittichmischungen enthalten meist zuviele Sonnenblumenkerne welche zu ölhaltig sind. Daher ist es sinnvoll, zu Zwei-Dritteln eine Wellensittichfuttermischung unterzumischen. Kolben- und Rispenhirsen sind entsprechend der natürlichen Futteraufnahme eine besonders geeignete Ergänzung. Gemüse, Obst und frische Kräuter stellen einen wichtigen Teil der Ernährung dar, ebenso wie Keimfutter. Belaubte Äste von ungiftigen Bäumen sind sinnvoll zur Beschäftigung der Vögel und als Quelle für Vitamine und Mineralien.

 

Nympensittiche und Agaporniden brauchen Großsittichmischfutter

Wellensittiche brauchen Wellensittichmischfutter.

Diese beziehen Sie am besten in Qualität aus einem Fachhandel.


Was gesundes

An Grünfutter nehmen die Nymphensittiche, Wellensittiche und Agaporniden am liebsten Vogelmiere mit samt Samen und Stängel. Sie ist fast das ganze Jahr hindurch in Gärten und an Feldrändern zu finden. Beliebt sind auch Löwenzahn, junge Brennnesseln , Beifuß, Melde, Breit und Spitzwegerich, Hirtentäschel, Kreuzkraut und weitere Wildkräuter, von denen es einige fast zu jeder Jahreszeit gibt. 

 

Auch verschiedenste Gräser mit halbreifen Samen in den Rispen sind begehrt und lassen sich von Juni bis zum Herbst sammeln. Bei Obst wird der Apfel bevorzugt, aber auch Birne, Banane, Erdbeere, Pfirsich oder eine halbierte Weintraube mag der Nymphensittich gern. An Gemüse kann man Spinat, Pflück- Eisberg- und Endiviensalat sowie Chicorèe geben. Salatgurke, Möhre, Paprika, Chinakohl, Rosenkohlblättchen, Brokkoli, Kohlrabi und Petersilie sind für den Vogel etwas gewöhnungsbedürftig, können dann aber den Speiseplan bereichern.

 

Alles Grünfutter, Obst und Gemüse müssen Sie unbedingt gründlich säubern und waschen, bevor Sie es an die Vögel verfüttern. Umweltgifte, Frischhaltemittel und Gifte gegen Schädlinge können daran haften und den Vögeln schaden oder die vergiften.

 

Diese Anleitung zum Quell- und Keimfutter gilt für Wellensittiche und Nymphensittiche.

Quell- und Keimfutter Anleitung
quell-undkeimfutter.pdf [171 Kb]
Download

Achtung: Nicht alles ist gesund! eine >>>Futterdatenbank<<<


Die Pflege

Hier ist aufgelistet was man alles machen muss, damit ihr Vogel zufrieden ist. Aber neben den unten angegebenen Sachen, darf die Beschäftigung nicht fehlen. Das heißt, dem Vogel viele Möglichkeiten der Beschäftigung anzubieten, wie z.B. Wühlkisten aufbauen und frische Zweige und Blätter anzubieten. Viele Vögel lieben es auch von Ihnen, mit einer feinen Sprühflasche, welches mit lauwarmen Wasser gefüllt ist, besprüht zu werden.

 

täglich

  • füttern (am besten Abends)
  • Trink- und Badewasser reichen

 

wöchentlich
  • Käfig oder Voliere säubern (bei Bedarf auch 2x wöchentlich)
  • Sitzgelegenheiten und Spielzeug sorgfältig reinigen
  • Futter- und Wassernäpfe gründlich auswaschen

 

monatlich
  • vollständige Reinigung von Käfig oder Voliere, Näpfen, Sitzgelegenheiten und sonstigen Zubehör
  • Erneuerung von Ästen und Zweigen bzw. von Sand und Grasnaben in Garten- und Zimmervoliere
  • Krallen der Vögel schneiden (falls erforderlich)

 

vierteljährlich
  • Volierenkonstruktion und Gittergeflecht auf Schwachstellen und Löcher untersuchen

halbjährlich
  • bei Gartenvoliere mit Naturboden, die Erde spatentief ausheben und erneuern, eventuell Holz- und Metallteile streichen

 


Der Käfig

Der Käfig sollte groß genug sein für den ausgesuchten Vogel und auf Augenhöhe sein, sonst fühlen sich Ihre Tiere nicht besonders wohl. Ein täglicher Freiflug muss selbstverständlich gewährleistet sein.

 

 

!Warnung!

Nymphensittiche/Wellensittiche/Agaporniden klettern auch sehr viel an dem Käfiggitter, verzinkter Draht ist giftig, an dem Gitter können die Vögel sogar sterben!

In runden Käfigen haben die Vögel keine Orientierung!

 

 

 

Wo der Vogel nicht stehen sollte

 

  • in einem lauten Zimmer
  • in einem Raum, in dem sich kaum jemand aufhält
  • in der Nähe des Fernsehgerätes
  • in der prallen Sonne
  • an zugigen Stellen
  • auf dem Kühlschrank (wegen der Vibrationen)

Das Verhalten

Die Tiere orientieren ihren Tagesablauf immer an den anderen Mitgliedern des Schwarms. Sie fressen gemeinsam, schlafen und putzen sich zur gleichen Zeit. Die oftmals im Zoohandel angebotenen Spiegel simulieren einen nicht vorhandenen Sozialpartner. Sie sind als tierschutzwidrig abzulehnen.

 

 

Die schönen Nymphensittiche Agaporniden und Wellensittiche zeigen ein sehr interessantes Balzverhalten. Die Hähne umwerben ihre erwählte Henne mit Gesang. Dabei stolzieren sie mit leicht abgestellten Flügeln um sie herum. Der Gesang ist individuell ausgeprägt und verändert sich. Die Hähne üben nicht nur neue Gesänge ein, sondern kombinieren diese auch mit festgelegten Bewegungsabläufen. Sie strecken zum Beispiel die Flügel aus zu einer bestimmten Tonabfolge. Nistkästen dürfen aber nur dann zur Verfügung gestellt werden, wenn eine amtliche Zuchterlaubnis vorliegt.

 

 

Das Nagen an verschiedenen Einrichtungsgegenständen wie Tapeten, Bildern und Türrahmen entspringt den natürlichen Verhaltensweisen der Nymphensittiche. Man kann mit Naturkork und frischen Ästen einen Ausgleich schaffen, um solche Knabberattacken zu verhindern.

 

 

Bei trockener Heizungsluft und im Sommer baden und duschen Nymphensittiche sehr gern. Einige Tiere nutzen dazu die Wasserschale, andere bevorzugen es mit einer Blumenspritze abgeduscht zu werden. Dabei sträuben sie ihr Gefieder auf und strecken die Flügel vom Körper ab.

 

 

Bei weiteren Fragen können Sie sich an uns wenden.


Gesundheit und Körperpflege

Die beste Möglichkeit, Krankheiten bei Ihren Nymphensittich vorzubeugen, sind eine artgerechte Haltung und optimale Pflege. Halten Sie den Vogel immer zusammen mit wenigstens einem Artgenossen, ernähren sie die Vögel abwechslungsreich, sorgen sie für einen sauberen Käfig, und verschaffen sie den Nymphensittichen Bewegung und Abwechslung. So wird ihr Vogel lange gesund bleiben.

 

 

Häufigste Krankheiten

 

Aspergillose:

 

Symptome: Der Vogel ringt mehr und mehr nach Luft, röchelt und kann schließlich ersticken.

 

Ursache: Im Staub alten Körnerfutters befinden sich oft Pilzsporen. Sie setzen sich auf den Atemwegsschleimhäute fest. Schimmelndes Obst oder Feuchtfutter sowie Nässe in der Nähe der Trink und Badegefäße sind für die Aspergillose verantwortlich.

 

Behandlung: Unbedingt zum Tierarzt gehen, doch die Heilung eines von Aspergillose befallenen Nymphensittichs ist schwer.

 

Vorbeugung: Frisches, staubfreies Futter, Futterreste entfernen.

 

 

Schilddrüsenvergrößerung:

 

Symptome: Atemnot bis zur Erstickung.

 

Ursache: Jod armes Wasser.

 

Behandlung: Hierfür Tierarzt konsultieren.

 

Vorbeugung: Jodhaltiges Marken Körnerfutter geben.

 

 

Erkältung:

 

Symptome: Der Sittich beginnt zu niesen, bekommt Schnupfen, lässt rasselnde Atemgeräusche hören und sitzt aufgeplustert herum.

 

Ursache: Zugluft oder Temperaturschwankungen -davon sind vor allem in der Küche gehaltene Nymphensittiche betroffen- können eine Erkältung verursachen. Zugluft kann bei ungünstiger Witterung ebenfalls in Garten Volieren entstehen.

 

Behandlung: In leichten Fällen Kamillentee geben und Rotlicht einsetzen, sonst Tierarzt aufsuchen, der Antibiotika oder Sulfonamide verabreichen wird.

 

Vorbeugung: Zugluft und/oder Temperaturschwankungen verhindern.

 

 

Legenot:

 

Symptome: Das Weibchen kauert aufgeplustert auf dem Boden und hält den Kopf nach vorn gesenkt. Die Augen sind meist geschlossen, der Schwanz wippt mit jedem der heftigen Atemzüge. Der Vogel ist bald außerstande aufzufliegen und lässt sich widerstandslos in die Hände nehmen.

 

Ursache: Sehr junge Weibchen sind möglicherweise noch zu schwach, um das Ei herauszupressen. Bei Vögeln in Garten Volieren kann auch ein plötzlicher Kälteeinbruch  dafür verantwortlich sein. Die Muskulatur verkrampft sich und kann das Ei nicht aus der Kloake drücken.

 

Behandlung: Als wichtiges Hilfsmittel gilt Wärme. Die Behandlung kann mit Infrarotlicht erfolgen. Bei Wärme bis max. 35°C entspannt sich die Muskulatur und lässt das Ei oft nach wenigen Minuten kommen.

 

Vorbeugung: Weibchen erst mit min. einem Jahr für die Zucht zulassen. Nicht in kühlen Räumen oder bei nassklatem Wetter zur Zucht ansetzen.

 

 

Papageinkrankheit:

 

Symptome: Kaum eindeutig zu bestimmen, meistens wie bei einer Erkältung, Gripper oder Lungenentzündung, nicht sichtbare Schwellungen und Entzündungen innerer Organe.

 

Ursache: Nymphensittiche können sich bei Artgenossen und anderen Papageien, die sehr unsauber gehalten werden, mit dem Virus infizieren.

 

Behandlung: Der Tierarzt wird die Vögel über mehrere Wochen hinweg mit Antibiotikum behandeln und sie für diese Zeit unter Quarantäne stellen.

 

Vorbeugung: Bei Haltung und Zukauf auf Sauberkeit und Gesundheit der Vögel achten.

 

 

Ungeziefer:

 

Symptome: Je nach Art des Ektoparasiten nervöses Kratzen und Putzen mit Eipaketen an Federschäften (Federlinge), graubraunen Krusten an Schnabel Wachshaut, Bindehäuten und Kloake mit Juckreiz (Grabmilben), winzige rotbraune bis schwarze Punkte und starker Juckreiz (Rote Vogelmilben).

 

Ursache: Zu wenig Sauberkeit und Zukauf befallener Vögel.

 

Behandlung: Heute gibt es gegen sämtliche Ungeziefer gut verträgliche Mittel verschiedener Anwendung aus dem Zoo Laden oder vom Tierarzt.

 

Vorbeugung: Auf Sauberkeit der Vögel achten.

 

Tumore:

 

Symptome: Verdickung vor allem an Brust und Bauch, Lahmheit wenn Nierentumoren auf Nerven Rücken, Abmagerung.

 

Ursache: Ungesunde Leckerbissen, falsche Ernährung, Rauchen in Anwesenheit des Vogels, Alter, da oft viel höhere Lebenserwartung als bei den Vögeln in der Natur.

 

Behandlung: Operation durch Tierarzt.

 

Vorbeugung: Artgerechte Ernährung, kein Rauchen in der Nähe des Vogels.


Ein bisschen Körperpflege

Krallen schneiden:

 

Dies können sie selbst mittel einer kleinen Schwere oder Nagelzange vornehmen. Dabei müssen sie beachten, dass sie Blutgefäße nicht beschädigt werden. Sie sind im Gegenlicht gut zu erkennen und etwa 2 mm vor ihnen kann die Kralle gestutzt werden. Falls sie unsicher sind, lassen sie es lieber von dem Tierarzt machen. Er kann ihnen auch ganz genau zeigen, wie man vorgeht, damit man den Vogel nicht verletzt. Aber wenn der Vogel viele Möglichkeiten zum abnutzen der Krallen hat (z.B. Äste aus der Natur), wird das nicht nötig sein.

 

Schnabel kürzen:

 

Der Nymphensittich ist normalerweise in der Lage, seinen Schnabel am harten Kalkstein oder Ästen regelmäßig selbst abzuwetzen. Hat er dazu nicht die Möglichkeit oder leidet an einen krankhaft übermäßigen Schnabel wuchs, muss der Tierarzt mit Zange und Feile den Schnabel in die richtige Form und Länge bringen.

 

Mauser:

 

Wenn es zur einer starken Mauser (z.B. Jugendmauser) kommt, haben die Vögel einen erhöhten Bedarf an Mineralstoffen und Spurenelementen. Eien Sorte Federn wächst besonders den Kakadus und damit auch den Nymphensittichen ständig nach, die Puderdonen. Sie sind Teil des untergefieder und ihre Äste zerfallen zu fettigen Staub. Hiermit reiben die Vögel ihr Gefieder ein und machen es somit wasserabweisend.